Weihnachtskehraus

Nachdem nun der ganze Bescherungshorror, die Fressorgien und die Feiertage glücklich überstanden sind, könnte eigentlich das ganze Weihnachtsdeko-Zeuchs eingemottet werden. Die ersten Geschäfte dekorieren schließlich auch schon um und konzentrieren sich auf die wunderbaren, -schönen und unnötigen Konsumartikel für Silvester. Auch haben sich die Fernsehsender von ihren kitschig, schmalzigen Sendungen verabschiedet und zeigen wieder die “wirklich interessanten” Sachen mit viel Sex, Gewalt und ganz vielen, tollen und ultrawichtigen Informationen (wer mit wem und wieso doch nicht mehr etc. etc. etc.).

Oder sollte tatsächlich noch irgendwer Lust auf “in jedes zweite Fenster kletternde Weihnachtsmänner”, psychodelisch blinkende Lichterketten, -sterne, Rentiere, Pfauen haben? Bei letzteren habe zwar keine Ahnung, was die mit Weihnachten zu tun haben, aber es gibt sie - zu meinem Entsetzen - en masse!

Schert sich wirklich noch jemand um den eigentlichen Sinn des Festes, so kurz nach dem Fest? Wo doch die Weihnachtszeit noch gar nicht vorbei ist, die geht nämlich bis zum 6. Januar (Epiphanias), mancherorts gar bis zum 2. Februar (Lichtmess, 40 Tage nach Weihnachten). Oder denkt jeder nur noch an Silvester und die tolle Knallerei, nach dem Motto: Danke für die Geschenke und nun verpiss dich Christkind?

Wäre nachvollziehbar, denn Feuerwerk macht schließlich mehr Spaß als dieses nervende “es ist Weihnachten und wir sind jetzt alle lieb und glücklich und überhaupt ist es jetzt feierlich und schön”. Naja, so sind Weihnachts-Christen eben.

STOP! Nein, da sich mittlerweile ebenfalls eine Geschenkeorgie zu Ostern entwickelt hat, sollte ich besser sagen: Feiertag-Schenkorgien-Christen.
Irgendwie tragisch, dass diese religiösen Feste so zu Geschenkschlachten verkommen und ihren Sinn verlieren. Würde mich nicht sonderlich überraschen, wenn zu Pfingsten, Allerheiligen/ Reformationstag etc. ebenfalls Geschenke gemacht werden müssen. Bin nur mal gespannt, wie lange wir darauf noch warten “dürfen”…

vielleicht sollten dazu aber die Feiertage auch umbenannt werden. Für Weihnachten - da eben noch aktuell - schlage ich mal “Großer-Jahresend-Geschenk-Tag” vor. Käme dem “Sinn” des Festes erheblich näher, oder?

Aber warum nervt mich die ganze Sache so sehr, wo ich mich doch als Atheist bezeichne? Prinzipiell sollte ich ja dankbar sein, dass die Mehrheit der Mitglieder einer Religionsgemeinschaft durch ihr Verhalten die Basis ihrer Religion untergraben und ihre Feste zu lächerlichen, sinnentleerten Veranstaltungen degradieren.

Ganz einfach: es ist die Bigotterie, die hinter dem Ganzen steht. Entweder macht man etwas aus Überzeugung - d.h. man feiert die Geburt seines Messias, seinen Tod und die Wiederauferstehung usw. - oder man lässt es ganz einfach und/oder steht dazu, dass der religiöse Hintergrund nicht interessiert, sondern es nur um die Befriedigung von (Konsum-)Wünschen geht. Aber bitte nicht so schamlos heucheln. Zudem, die eigene innere Leere mit teurer Scheiße billigem Zeuchs zu füllen ist auf Dauer noch unbefriedigender.

Dann doch lieber die Werte einer Religion/ Lebensphilosophie/ Weltanschauung, denn diese immateriellen Werte - wie gegenseitige Achtung, Toleranz oder Hilfsbereitschaft - sind beständiger und können in Krisensituationen Halt geben (zumindest in kleineren Krisen, ansonsten hilft auch gerne jeder Psychologe).
Diese Werte können auch nicht gestohlen werden, kaputt gehen oder aus der Mode kommen (naja, immerhin sind sie nicht nur für eine Saison aktuell). Von welchem Spielzeug, Kleidungsstück oder modischem Accessoire kann man das behaupten?

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