Russian Stonewall?

Heute wollten - trotz Verbots durch den Bürgermeister und geplanter (wahrscheinlich durch den selben genehmigter) Gegendemos konservativer und rechter Gruppierungen - die Aktivisten für die Rechte von Schwulen und Lesben in Moskau die geplante Pride-Parade abhalten.
Allerdings gab es auch Stimmen aus den eigenen Reihen, die die Veranstaltung lieber absagen wollen, weil sie mit Gewalt von der Rechten und wohl auch von der Polizei rechneten - was wohl auch eingtroffen ist.
Der Organisator Alexey Davidov wurde bereits verhaftet GayRussia.ru.

Wen wundert’s? Bürgermeiter Juri Luschkow hält Homosexualität für “satanisch” und bläst damit ins “christliche horn” und auch der Polizeichef lässt durch einen Sprecher verkünden, dass die Polizei gegen die Parade vorgehen wird, da die Polizei nicht das Recht hätte, das Gesetz für eine Gruppe von Bürgern zu umgehen, die die Menschenrechte für ihre Zwecke ausbeuten und verdrehen wollen.
Naja, russische Polizei als Bewahrer der Menschenrechte… der Witz zieht bestimmt noch ein paar Mal.

Die orthodoxe Kirche, unter der Knute des Patriarchen Alexy II, unterstützt das Verbot. Das wundert weniger, da die homophilephobe Einstellung rückständiger Kleriker, egal welcher Couleur, allgemein bekannt ist.

Homophobes Mütterchen Russland

Bereits im letzten Jahr empörten sich “geistliche Führer” diverser Religionsgemeinschaften (neben der orthodoxen Kirche z.B. auch Russlands Oberrabbiner Berl Lazar und Mufti Talgat Tajuddin) über die geplante Parade und erhielten Unterstützung von Regierungsseite. Der Muf(f)ti rief sogar seine Schafe dazu auf, mit Gewalt gegen jeden Versuch durch Schwulen und Lesben zu protestieren, die die Parade vorantreiben.

In diesem Zusammenhang sei noch mal die religionsverbinde Kraft von Homosexualität hingewiesen: Wenn es um die Verweigerung von Menschenrechten für Homosexuelle geht, dann sind sich alle religiösen Nattern einig und vergessen ihre gegenseitige Feindschaft.

Russland und die Homosexualität

Männliche Homosexualität wurde bis zum Ende der Sowjetunion 1991 strafrechtlich verfolgt und in Russland erst 1993 entkriminalisiert. Grund: Russland wollte Mitglied des Europäischen Rats werden diese Entkriminalisierng war eine Voraussetzung dafür.
Entkriminalisierung bedeutet jedoch nicht gleichzeitig ein Ende der Diskriminierung durch Behörden oder andere staatliche Einrichtungen - diese Diskriminierung gibt es noch heute und wird es bei dieser Einstellung in der russischen Gesellschaft auch noch eine ganze Weile geben.

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