Ministerium für Kreationismus

Zur wissenschaftlichen Kritik und Kritikfähigkeit gehört es, wenn verschiedene Sichtweisen und Theorien im Unterricht behandelt werden.“, so die Kreationismus-Propagandistin Karin Wolff, ihres Zeichens KreationismusKultusministerin in Hessen.
Die hat es mit ihrer “Erkenntnis”, dass es “erstaunliche Parallelen zwischen dem biblischen Schöpfungsbericht und der Evolutionstheorie” gäbe endlich geschafft, dass die Kreationisten eine Fürsprecherin in der Politik haben - ob sie ihre angebliche “Theorie” nun Intelligent Design nennen oder nicht.

Ob das Frau Wolffs Absicht war sei dahingestellt (obwohl, was hat man von einer ehemaligen Religionslehrerin anderes zu erwarten?), aber sie hat mit ihrer Forderung, dass kreationistische Vorstellungen auch im Biologieunterricht in den Schulen vorgestellt werden sollen, die Tür für religiöse Pseudotheorien in der Wissenschaft aufgestoßen.

Natürlich, sie ist schließlich evangelische Theologin, soll nur das judäo-christliche Schöpfungsmärchen der Genesis vorgestellt werden, Geschichten anderer Religionen werden als weitere Möglichkeit nicht einmal erwähnt.

Dabei gibt es doch so viele andere Schöpfungsgottheiten und nettere Schöpfungsgeschichten. Marduk hat beispielsweise Himmel und Erde aus aus der eigenhändig getöteten Tiamat geschaffen, in ähnlicherweise, wie aus dem germanischen Riesen Ymir die Welt gebaut wurde: Odin, Vili und Vé erschlugen den Riesen und machten aus seinem Fleisch die Erde, aus den Knochen Berg, aus dem Blut die Meere und das Wasser, aus den Haaren die Bäume, aus dem Schädel das Himmelsgewölbe und aus dem Gehirn die Wolken.
Beide Mythen klingen in meinen Ohren genauso glaubwürdig wie die Genesis des sog. Alten Testaments.

Wenn die gute Frau schon meint, dass Wissenschaft mit Religion verwässert werden soll, dann bitte mit ein paar mehr Alternativen als nur der alttestamentarischen Variante. Zudem sollten alternative Erklärungen für religösen Wahnsinn religiöse Glaubensvorstellungen im Religionsunterricht angeboten werden.

Ganz nach dem Motto: Gleiches Recht für alle oder: “Zur Religionskritik und Kritikfähigkeit gehört es, wenn verschiedene Sichtweisen und Theorien im Unterricht behandelt werden.

Übrigens, dass Kreationismus eine Gefahr für Wissenschaft und Kultur darstellt, war gestern sogar einen Bericht im 3sat-Kulturmagazin Kulturzeit wert.

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