Götterstreit in Indien
Es sind nicht nur die Monotheisten, die an Märchen glauben und meinen die Welt erklären können, weil sie in angeblich heiligen Schriften die absolute göttliche Wahrheit entdecken haben. Auch in anderen Religionskulturen - ob nun Polytheismus, Henotheismus oder Monolatrie ist - kommt es zu grotesken Szenen, wenn weltliche und geistliche Interessen aufeinander prallen.
Zwei peinliche Beispiele aus Indien für das Chaos, dass Gläubige auf der Grundlage ihrer Wahnvorstellungen Überlieferungen anstellen können:
Kanalbau
Ein geplanter Kanal zwischen dem Golf von Mannar und der Palkstraße sorgt in Indien für eine kleinere Regierungskrise.
Die beiden Gewässer zwischen Indien und Sri Lanka werden durch die “Adamsbrücke”, eine etwa 50km lange Insel - und Sandbankkette mit lediglich 1 bis 10 Meter Wassertiefe, getrennt. Ein Kanal durch dieses Gebiet soll nicht nur die Fahrzeiten für die Schiffe verkürzen (müssen dann nicht mehr um Sri Lanka herum), sondern auch zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in der Region führen.
Nachdem die Pläne bekannt waren, kam es - wie sollte es auch anders sein - zu Protesten gegen den Bau des Kanals. Nicht aus ökologischen Gründen, sondern aus religiösen:
Diese Inselkette - auch Rama Setu (Ramas Brücke) genannt - wird von einigen gläubigen Hindus als Überbleibsel der Brücke gesehen, die laut “heiliger” Schriften von dem Gott Rama und seinen Affen erbaut wurde. Der Kanal würde also ein “göttliches” Bauwerk zerstören und das darf natürlich nicht sein.
Also wurde eine Regierungskommission eingesetzt und die hat dann einen Bericht erstellt, der dem Gericht vorgelegt wurde. In diesem Bericht behaupten nun Wissenschaftler und Archäologen, dass es sich - ganz profan - um eine natürliche Formation handelt und dass religiöse Texte kein Beweis seien, dass der Gott jemals existiert habe.
Prompt kam es zu “spontanen” Demonstrationen, organisiert von Regierungsgegnern, die die Wissenschaftler und die indische Regierung der Blasphemie beschuldigt, weil die es wagen den Glauben von Millionen in Frage zu stellen.
Tags darauf wurde der Bericht zurückgezogen und die Regierung hat das Gericht gebeten die Entscheidung bis Januar auszusetzen, um neues Material vorlegen zu können.
Mittlerweile sind auch die Direktoren des Archaeological Survey of India suspendiert - das Institut hatte den Bericht erstellt - und die zuständige Ministerin Ambika Soni hat ihren Rücktritt angeboten.
Aber das ist sicherlich noch nicht das Ende dieser Geschichte.
Mehr Informationen: BBC News | South Asia
Pressefreiheit
Anhänger der religiösen Gruppe Shiv Sena haben am vergangenen Dienstag die Büros einer indischen Zeitschrift in Mumbai zertrümmert.
Die Redakteure der Zeitschrift hatten es nämlich gewagt, den Anführer dieser Gruppe, Bal Thackeray, als Hitler zu karikieren (Thackeray hat sich des öfteren schon positiv über den Nazi geäußert - und Ausschnitte aus seinen Reden gegen die muslimische Minderheit zu veröffentlichen.
Mehr Informationen: BBC News | South Asia

Kommentar schreiben: