Nachtrag: Europarat-Resolution
Es ist erschreckend, wie haben unsere fünf deutschen Vertreter abgestimmt haben!
Neben einer Enthaltung stimmte die Mehrheit der deutschen Delegierten gegen die Resolution (alle drei Mitglieder der EPP/CD).
Lediglich eine Vertreterin (Doris Barnett, SOC) hat für die Annahme der Resolution gestimmt! Was mich natürlich besonders erfreut, da sie für “meinen” Wahlkreis im Bundestag sitzt.
Dagegen haben unsere französischen Nachbarn - auch die Mitglieder der EPP/CD - geschlossen dafür gestimmt (6/6 Stimmen), ebenso die Schweiz (3/3), Großbritannien (4/4), Schweden (5/5), sowie Dänemark, Litauen und die Türkei (mit jeweils 2/2 Stimmen).
Bei den Niederlanden, Belgien, Portugal und Norwegen stimmte jeweils die Mehrheit der Delegierten für die Annahme der Resolution über die Gefahren des Kreationismus.
Die großen Ablehner (wenn man mal von den Ländern absieht, die nur einen Vertreter haben) sind Deutschland, Italien und Polen (die letzteren beiden jeweils 3/4 gegen die Resolution).

Sigrid Nickel
Kommentar vom 8. Oktober 2007Hi,
irgend einen zweifel, dass deutschland inzwischen “erfolgreich” unterwandert wurde???????
bei uns stellt ein kreationist den 1. vertreter des bürgermeisters.
und noch erschreckender: von 40 kollegen, trete nur ich ihm heftig auf die füße.
mein motto: nur tote fische schwimmen mit dem strom - lebende dagegen.
greetings
diko
Kommentar vom 9. Oktober 2007Hi!
Ich oute mich hier mal als Christ, der davon ausgeht, dass eine überirdische Intelligenz diese Welt geschaffen hat.
Ich kann das verstehen und auch gut akzeptieren, dass die Lehre des Kreationismus nicht im Bio-Unterricht behandelt wird. Denn das Thema der Wissenschaft ist nicht, einen Gott zu beweisen oder das Gegenteil zu beweisen.
Dennoch gefällt mir der Ton des Europarat-Beschlusses nicht.
Es wird nicht wirklich differenziert.
Ich kenne keinen Christen, der eine Theokratie aufbauen will (was aber im Beschluss vermutet wird). Dafür ist in der islamischen Lehre sehr viel von einem Gottesstaat die Rede.
Ich kenne Christen, die links wählen, rechts wählen und in der Mitte wählen. Aber keinen von ihnen ist auch nur annähernd in die Ecke der Nazis zu stellen. Dies wird im Beschluss des Rates aber vermutet.
Ich kenne keinen Christen, der gegen unsere Demokratie kämpfen will. Im Gegenteil: bei etlichen Christen ist das Bewusstsein der Dankbarkeit ziemlich groß, weil wir wissen, dass Christen in anderen Ländern verfolgt, gefangengenommen und getötet werden.
Im Beschluss des Rates wird aber von einem Angriff auf die Menschenwürde durch Kreationisten gesprochen.
Tut mir leid - auch wenn der Beschluss hinsichtlich des Bio- und Uni-Unterrichts sachlich angemessen sein mag - aber durch diesen Beschluss wird eine Bevölkerungsgruppe in ein Licht gestellt, in dem diese Menschen einfach nicht stehen.
Das ist Diskriminierung.
Gby!
diko
Kommentar vom 9. Oktober 2007Sachlich angemessen könnte man diesen Beschluss sehen, wenn es nur darauf hinausgelaufen wäre, dass der Kreationismus nicht als wissenschaftliche Disziplin zu behandeln sei und deshalb im Bio-Unterricht nichts zu suchen habe.
Aber ansonsten ist der Beschluss so was von undifferenziert, dass ich meine: Da ging es eher um Panikmache, Vorurteile und Diskriminierung.
Die islamische Lehre strebt einen Gottestaat an.
Die christlich-biblische Lehre will keinen menschlich verursachten Gottesstaat aufbauen.
Aber im Beschluss wird allen Kreationisten vorgeworfen, sie würden eine Theokratie aufbauen!
Es gibt sicherlich einzelne Kreationisten, die auch rechts wählen.
Es gibt Kreationisten, die mittel oder auch mal links wählen.
Viele sind einfach nur konservativ, sind aber sicher nicht im klassischen Sinne “rechts”.
Im Beschluss aber werden Kreationisten in die politisch rechte Ecke gestellt. Und wer steht da? Die Nazis.
Die Kreationisten, die ich kenne, schätzen unsere Demokratie. Sie sind “pro” demokratisch eingestellt.
Im Beschluss ist aber die Rede von einem Angriff auf die Menschenwürde durch die Kreationisten.
Und so weiter…
Dieser Beschluss ist schlichtweg diskriminierend und völlig unsachlich.
diko
Kommentar vom 9. Oktober 2007Uups - habe zweimal kommentiert!
‘Tschuldigung!
(Dachte beim ersten Mal, dass der Kommentar wegen meiner cookie-Sperre nicht durchgekommen sei. Bitte fühle Dich frei, einen dieser Kommentare zu löschen. Danke!)
Wahoonie
Kommentar vom 9. Oktober 2007nun, da möchte ich doch auf den ersten abschnitt dieser resolution verweisen:
“1. The aim of this report is not to question or to fight a belief – the right to freedom of belief does not permit that. The aim is to warn against certain tendencies to pass off a belief as science. It is necessary to separate belief from science. It is not a matter of antagonism. Science and belief must be able to coexist. It is not a matter of opposing belief and science, but it is necessary to prevent belief from opposing science.”
niemand möchte religiöse vorstellungen abschaffen oder verbieten - es geht lediglich darum, wissenschaft und forschung vor einflüssen von religiösen fanatikern zu schützen, die mittels pseudo-wissenschaftlicher “theorien” und “methoden” versuchen das bildungssystem zu unterminieren. theorien, welche sich lediglich auf dogmatismus, verdrehung wissenschaftlicher aussagen oder der unterstützung durch fachfremde “experten” stützen.
und es sind nicht nur muslime, es sind auch christen (in unserer gesellschaft fast ausschließlich), die einen solchen schwachsinn verbreiten.
wenn du solche christen nicht kennst, dann hast du entweder glück gehabt oder sie fallen für dich nicht in die kategorie “christen” (es gibt da so viele splittergruppen und organisationen, will sie hier nicht aufzählen). diese gruppen sind eben nicht nur (erz-)konservativ, sondern tatsächlich dem rechten lager zuzuordnen.
however, wir leben nun mal glücklicherweise in einer säkularen gesellschaft und das bedeutet, dass religion privatsache ist und in der öffentlichkeit auch gelebt werden darf, aber eben nichts in öffentlichen einrichtungen - wie schulen, universitäten - zu suchen hat.
ach ja, wenn du einen deiner kommentare gelöscht haben möchtest, dann darfst du wählen
und schaue dir am kommenden montag auf dem wdr die doku “jesus camp” an - dann erfährst du, um welche fanatiker es geht
diko
Kommentar vom 10. Oktober 2007Hi!
1) Lösche den ersten Eintrag … nee, den zweiten … oder den ersten?
2) Den Punkt 1 des Beschlusses habe ich gelesen und dem ist natürlich völlig zuzustimmen.
Es bleibt aber im Rest des Beschlusses eine Gesamtheit von Vorurteilen und Vorwürfen, die schlichtweg falsch sind.
Ich bin ziemlich gut drin in der christlichen Szene. Ich kenne sog. Charismatiker und Pietisten. Das sind die sog. (Schublade auf) “Evangelikalen” (Schublade zu). Der Kreationismus wird hier mit offenen Armen begrüßt.
Aber keiner von denen scheint mir ein so rechts gesinnter Mensch zu sein, dass man diese als “Kreationisten” in die rechte Ecke schieben müsste. Es gibt verschiedenste politische Ansichten dort - wie überall, auch wenn diese Christen tendentiell konservativ wählen, was aber noch was anderes als “rechts” ist.
Und: Keiner dieser Christen will eine Theokratie aufbauen!
Wie gesagt: Ich kenne mind. 200 Christen, natürlich viele oberflächlich, aber ein paar Dutzend auch besser.
Aber im Beschluss werden Christen in eine solche Ecke gestellt.
Das ist einfach falsch und damit diskriminierend.
Das Problem ist m.E., dass wir in den Medien natürlich nur die “Reisser” zu sehen bekommen: die Schandtaten, die schwarzen Schafe, die Skurrilen etc. Den “Otto Normalchristen” bekommt man kaum zu sehen und zu hören, weil das vielleicht zu lieb und nett wäre und zu wenig Einschaltquote bringt.
Das prägt das öffentliche Bewusstsein.
“Evangelikal” heißt dann so viel wie “Fundamentalist” und “Fundamentalist” heißt dann schon fast “Terrorist”.
Das hier Wortverdrehungen und Sinnverfälschungen in den Medien vorgenommen werden, fällt Otto Normalverbraucher kaum auf.
Und in diesem Geist scheint der Beschluss geschrieben worden zu sein.
Deshalb:
In der Sache ID vs. ET mag der Beschluss in Ordnung sein.
Aber im Stil falsch und diskriminierend.
Gby,
diko.
Wahoonie
Kommentar vom 10. Oktober 2007willkommen im club - als atheist muss man sich von gläubigen ständig in die diktatur-unterstützer-ecke drängen lassen und deswegen sind wir es noch lange nicht
dann sehe das ganze doch als aufgabe an, dich von diesen religiösen fanatikern deutlich zu unterscheiden und diese abzugrenzen. dann kommt es auch nicht zu verwechslungen