Säkulare Übergangsriten

Juhuu! Endlich wieder ein langes Wochenende, das ich mehr oder weniger alleine verbringen muss. Das gehört eben zu den Nachteilen, wenn der Lebenspartner Pfarrer ist und an solchen Tagen arbeiten muss.

Das sind dann auch die Momente, in denen ich mich als Atheist frage, warum ich ausgerechnet einen Mann habe, der an so ein Märchen glaubt und damit auch noch sein Geld verdient. Immerhin ist er nicht katholisch oder gar evangelikal - dann hätte ich wahrscheinlich wirklich ein Problem.

So kann ich mir wenigstens die Brücke bauen, dass er als eine Art Dirigent verschiedene - wie ich finde auch wichtige - Lebensabschnittsrituale durchführt. Zwar bin ich mit der dahinterstehenden religiösen Ideologie nicht einverstanden, dennoch halte ich solche Rituale für wichtig im gemeinschaftlichen Zusammenleben.

Es ist schade, dass sich die säkularen Varianten dieser Rituale - sofern vorhanden - noch nicht wirklich durchgesetzt haben und so oftmals auf die religösen Zeremonien zurückgegriffen werden muss. Viele bleiben wahrscheinlich in einer Kirche genau aus diesem Grund: sie bekommen zu wichtigen Lebensabschnitten ein kleines Schauspiel geboten. Vielleicht würden ja mehr Menschen endlich ganz mit dem religiösen Tamtam brechen, wenn sie eine nichtreligiöse Alternativen hätten?

Das einzige mir bekannte und wohl auch einigermaßen angenommene säkulare Variante ist ein freier Redner auf Beerdigungen. Heiraten auf dem Standesamt ist halt nicht so ‘nett’ wie in einer Kirche, sondern mehr ein Verwaltungsakt (obwohl es sicher auch gute Standesbeamte gibt), Jugendweihe ist - zumindest im Westen der BRD - noch zu ideologisch gefärbt, ein äquivalent zur Taufe, ein nichtreligiöses Namensritual, ist mir nicht einmal bekannt.

3 Kommentare zu "Säkulare Übergangsriten"

  1. buchstaeblich

    Kommentar vom 21. Mai 2008

    Wenn Du wüsstest, was ich denke, wenn ich lese, was –im Märchenbuch– in der Bibel so steht, würdest Du dich ziemlich gut amüsieren. Dein Mann aber eher nicht.

  2. Wahoonie

    Kommentar vom 21. Mai 2008

    das kann ich gut nachvollziehen - ich amüsiere mich da auch ganz gut.
    er versteht leider nur soweit spaß, bis ich nicht anfange paulus als selbstsüchtigen mann zu bezeichnen, der die gelegenheit genutzt hat, sich als guru einer neuen religion aufzuschwingen.

  3. Reitemeier, U.

    Kommentar vom 2. November 2008

    Da ich im Dezember 50 J. alt werde und meine Kinder jetzt alle mit der Schule fertig sind und ins Leben gehen, hätte ich mir gerne so ein Übergangsritual zum Geburtstag gewünscht.
    Wo kriege ich Tipps dafür her?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!

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