Wer gäubig ist muss eben stehen
oder sich damit abfinden, dass es einem Atheisten vollkommen egal ist, ob frau ein Kopftuch trägt oder nicht.
Als ich mich heute Morgen noch schlaftrunken in der Straßenbahn auf den erstbesten freien Platz gesetzt habe, war es mir vollkommen egal, wer oder was da neben mir sitzen könnte. Hätte mich auch nicht weiter darum gekümmert, wenn nicht plötzlich meine dann-Nachbarin - in dem Moment, in dem ich mich setzte - gemurmelt hätte, dass sie gleich aussteigen muss und aufstehen möchte.
So freundlich wie ich morgens sein kann, mache ich Platz, sie geht raus und stellt sich an die Tür. Als sie dann aber noch geschlagene 5 Haltestellen dort stehen bleibt, kommt mir erst der Gedanke, dass sie wegen etwas ganz anderem den Platz verlassen hat: Ich fremder Mann setzte mich neben fremde Frau mit Kopftuch.
Zugegeben, ich kann nur aus ihrem Verhalten schließen, dass sie sich aus diesem Grund so verhalten hat, aber was sollte naheliegender sein?
Und eigentlich sollte ich mich ja beleidigt fühlen, dass eine gläubige Muslima ihr Weltbild auf mich projiziert und womöglich annimmt, ich fühlte mich durch ihre irgendwie Anwesenheit erregt und meine Hormone kochten über, weil es mir - dem Weltbild entsprechend - nicht erlaubt ist mit Frauen zu verkehren, solange sie nicht meiner Familie angehören oder ich mit ihr verheiratet bin.
Ob sie sich anders verhalten hätte, wenn sie gewusst hätte, dass ich mir gar nichts aus Frauen mache?


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