Bereits im März diesen Jahres wurde in der Schweizer Zeitung ein Artikel über ein Forschungsprojekt von Prof. Sandro Cattacin (Swiss Forum for Migration and Population und Studies at the University of Neuchâtel): Die Ergebnisse werden die Gläubigen nicht besonders erfreuen, denn die Nichtreligiösen tragen womöglich mehr zum religiösen Frieden in der Schweiz bei als all die Religiösen, die sich ihrer Nächstenliebe rühmen: Es gibt klare Indizien für den Zusammenhang zwischen Religiosität und allgemeiner Menschenfeindlichkeit.
Die Zahlen zu Religion und Menschenfeindlichkeit sind ein Teilergebnis des Nationalen Forschungsprojekts Rechtsextremismus
. Datengrundlage bilden 3000 Interviews, in denen mit jeweils 90 Fragen das Maß an Toleranz ausgelotet wurden.
So glauben 26% der Katholiken, 24% der Protestanten und 28% der Muslime, dass Juden schuld an ihrer eigenen Verfolgung seien. Lediglich 18% der Nichtreligiösen sind dieser Auffassung.
Dass genug für die Gleichberechtigung der Frau getan wurde finden 43% der Katholiken, 43% der Protestanten und 55% der Muslime – aber nur 29% der Nichtreligiösen.
Was mich besonders gefreut hat: Laut dieser Studie korreliert Atheismus negativ mit Sexismus und Homophobie.
Die ganze Studie kann hier heruntergeladen werden: Monitoring misanthropy and rightwing extremist attitudes in Switzerland von Sandro Cattacin, Brigitta Gerber, Massimo Sardi & Robert Wegener.
Okay, mag man sagen, das gilt für die Schweiz, aber leider ist es in Deutschland nicht viel besser um Religion und Xenophobie/Misanthropie bestellt, wie eine weitere Studie zeigt: Antisemitismus in Deutschland.
Darin heißt es: Vorbehalte gegenüber Juden, die im Christentum über Jahrhunderte mehr oder minder alltagsweltlich und theologisch tradiert werden, spiegeln sich in den Einstellungen wider. Protestanten wie Katholiken äußern signifikant mehr Zustimmung zu traditionell antisemitischen Einstellungen als Konfessionslose1.
Eine andere Studie – obwohl in ihr nicht ausdrücklich auf dieses Phänomen hingewiesen wird – lässt ähnliche Schlüsse zu: Unfavorable Views of Jews and Muslims on the Increase in Europe (PDF).
Vergleicht man nämlich die Wichtigkeit der Religion mit der Einstellung gegenüber Juden, Muslimen oder Christen, zeigt sich auch hier eine gewisse Korrelation – will heißen: je wichtiger die eigene Religion, desto mehr Vorurteile gegenüber anderen Religionen.
Und dann soll noch mal so ein Gläubiger behaupten, ohne unsichtbare Freunde – aka Götter – gäbe es nur Chaos und Hass unter den Menschen.
1Küpper, B./Zick, A., Riskanter Glaube: Religiosität und Abwertung. in: W. Heitmeyer (Hrsg.), Deutsche Zustände, Folge 4 (S. 179-188). Frankfurt a. M. 2006.