Politische Einstellungen und physiologische Eigenschaften

AngstAuf der einen Seite ist es witzig und bestätigt in gewisser Weise mein Vorurteile gegenüber politisch konservativ eingestellten Menschen, auf der anderen Seite ist doch erschreckend.

Ganz einfach ausgedrückt: Wie Menschen auf Gefahren-/ Schreckreize reagieren, lässt auf ihre politische Einstellung schließen.

So zumindest wollen es John Alford, Professor für Politikwissenschaften an der Rice University in Houston, Texas, und sein Forscherteam herausgefunden haben.

Im ersten Schritt wurden 1.310 Versuchspersonen per Zufall ausgewählt und gebeten einen Fragebogen zu ihrer politischen Einstellung, Persönlichkeitsmerkmalen und demographischen Merkmalen auszufüllen.

Aus dieser ersten Befragungswelle waren 46 Personen bereit sich auch am zweiten Untersuchungsschritt zu beteiligen. Ihnen wurden 33 Bilder gezeigt, unter denen sich drei Motive befanden, die die Probanden erschrecken sollten (eine Spinne auf dem Gesicht eines verängstigten Menschen, einen Verletzten mit blutigem Gesicht und Maden in einer offenen Wunde) und drei Bilder mit positivem Inhalt (ein Häschen, eine Schale mit Früchten und ein fröhliches Kind).
In einem weiteren Test spielten die Versuchsleiter verschiedene Geräusche ein, um Reaktionen auf laute, überraschende Klänge zu messen.

Während die Versuchspersonen die Bilder gezeigt bzw. die Geräusche vorgespielt bekamen, wurden verschiedene physiologische Reaktionen gemessen (z.B. Veränderung der Hautleitfähigkeit, Pupillenreaktionen).

Das Ergebnis: Starke Reaktion auf die Gefahrenreize (erhöhter Herzschlag, Blutdruck und Schweißdrüsenaktivität) korrelierte mit eher konservativen/ rechten politischen Einstellungen, geringe/ schwächere Reaktion mit eher liberalen/ linken Einstellungen.

Die Forscher fanden eine Korrelation zwischen politischer Einstellung und der physiologischen Reaktion auf die dargebotenen Gefahrenreize:
Die stark auf die Reize reagierenden Versuchspersonen hatten eine eher befürworten also eher konservative/ rechte politische Einstellung, waren eher Befürworter von support for military spending, warrantless searches, the death penalty, the Patriot Act, obedience, patriotism, the Iraq War, school prayer and Biblical truth und standen pacifism, immigration, gun control, foreign aid, compromise, premarital sex, gay marriage, abortion rights and pornography. ablehnend gegenüber.

Was diese Studie nicht klären konnte (dafür sind korrelative Studien leider nicht geeignet), ist die Frage, ob eine stark auf Gefahrenreize reagierende Persönlichkeit die Ursache für eine konservative politische Einstellung ist oder die konservative Einstellung die Entwicklung einer eher ängstlichen Persönlichkeit fördert.
Am Ende ist beides möglich und führt gar noch zu einer die Angst und den Konservativismus verstärkenden Rückkoppelung.

Interessant zu wissen wäre ebenfalls, inwiefern die Ergebnisse auch auf religiöse Überzeugungen anzuwenden sind. Wobei allerdings fraglich ist, ob Religiosität und politischer Konservatismus tatsächlich eindeutig getrennt werden können. Ich vermute hier eher einen starken Zusammenhang.

Rice University | Rice News

Erstellt am [20. September 2008 | 20. Elul 5768]

Abgelegt unter [Allgemein]

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