Tom Rees von Epiphenom hat einen wunderbaren Artikel zum Thema Religiosität veröffentlicht: Why some countries are more religious than others.
Kurz: Welche sind die Faktoren die Religiosität in verschiedenen Ländern bedingen? Liegt es an höherer Bildung oder liegt es daran, dass die Übernahme von sozialen Einrichtungen durch den Staat die Wichtigkeit religiöser Ideen verringert? Oder spielen andere Faktoren (ebenfalls) eine Rolle für die Religiosität in einem Land?
In seiner Analyse der Daten von über 50 Ländern konnte Rees zeigen, dass eine überdurchschnittlich hohe persönliche Religiosität (Häufigkeit zu beten) insbesondere durch eine geringe Lebenserwartung, höhere Kindersterblichkeit, höherer Anteil von Gewalttaten, mehr Korruption, höhere Abtreibungsraten und weniger Frieden bestimmt wird, also große soziale Misstände herrschen.
Die Studie erklärt weshalb Wohlstand in einigen Ländern mit dem Grad der Säkularisation zusammenhängt. Religiosität wird nicht einfach durch den durchschnittlichen Wohlstand bestimmt, sondern durch die Verteilung dieses Wohlstandes in der Gesellschaft und das Ausmaß inwiefern dieser Wohlstand dazu genutzt wird, die individuelle Sicherheit zu verbessern.
Weiterhin konnte Rees zeigen, dass Religion als ein Indikator für den Zustand der Gesellschaft darstellt: Je “kranker” die Gesellschaft, desto religiöser ist/wird sie.
Religion wirkt dabei auf der persönlichen Ebene als eine Art Abwehrreaktion auf die wahrgenommenen sozialen Missstände – allerdings kann diese Religiosität diese Missstände nicht verbessern.
Der gesamte Artikel findet sich unter:
Rees, TJ (2009). Is Personal Insecurity a Cause of Cross-National Differences in the Intensity of Religious Belief? Journal of Religion and Society, 11